BOS-Funk: Kommunikation der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben

Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) – darunter die Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste – sind auf eine hochverfügbare und schnelle Kommunikation angewiesen. In Notfällen entscheidet diese über den Erfolg eines Einsatzes. Die technische Grundlage hierfür bildet der BOS-Funk, wobei derzeit der Übergang vom klassischen Analogfunk zum modernen TETRA-Digitalfunk das zentrale Thema ist.

Der analoge BOS-Funk

Der Analogfunk war über Jahrzehnte der Standard im Einsatzwesen. Er unterteilt sich primär in zwei Frequenzbereiche:

  • Das 4-Meter-Band (4 m): Es dient vorrangig der Kommunikation über weite Distanzen, etwa zwischen den Fahrzeugen und der Leitstelle. Aufgrund der physikalischen Wellenlänge sind hier keine direkten Sichtverbindungen erforderlich.

  • Das 2-Meter-Band (2 m): Dieses Band wird hauptsächlich für den „Einsatzstellenfunk“ genutzt – also die direkte Verständigung der Einsatzkräfte vor Ort (z. B. Trupp unter Atemschutz zum Gruppenführer).

Sicherheit und das Funkmeldesystem (FMS)

Ein entscheidender Nachteil des Analogfunks ist die fehlende Verschlüsselung; Gespräche konnten mit einfachen Scannern mitgehört werden. Um die Kanäle zu entlasten und die Sicherheit zu erhöhen, wurde das Funkmeldesystem (FMS) eingeführt. Über einen speziellen FMS-Hörer können Statusmeldungen (Kurznachrichten) per Tastendruck als Datensatz an die Leitstelle übermittelt werden. Dies reduziert das Sprechaufkommen erheblich.

TETRA: Der digitale BOS-Funk

Seit 2006 wird der analoge Funk sukzessive durch den digitalen Standard TETRA (Terrestrial Trunked Radio) ersetzt. Dieser bietet signifikante Vorteile:

  1. Abhörsicherheit: Die gesamte Kommunikation ist durch eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geschützt.

  2. Sprachqualität: Hintergrundgeräusche (wie Martinshorn oder Motorenlärm) werden digital herausgefiltert.

  3. Netzkapazität: Mehrere Gespräche können gleichzeitig auf einer Frequenz geführt werden (Bündelfunk).

  4. Datenübertragung: Neben Sprache können auch GPS-Daten oder Kurznachrichten effizienter übermittelt werden.

Hier die Übersicht der Stati der fahrzuege und der Leitstellen:

Status gaben vom Fahrzeug
  Rettungsdienst Feuerwehr
1 Frei Funk Frei Funk
2 Frei Wache Frei Wache
3 Anfahrt Anfahrt
4 Am Einsatzort angekommen Am Einsatzort angekommen
5 Sprechwunsch Sprechwunsch
6 Nicht Einsatz Bereit Nicht Einsatz Bereit
7 Pat aufgenommen Nicht Belegt
8 Zielort / Krankenhaus angekommen Nicht Belegt
9 Je nach Leitstelle anders Belegt Je nach Leitstelle anders Belegt
0 Notruf Notruf
 
Status gaben der Leitstelle
  Rettungsdienst Feuerwehr
A Sammelruf Sammelruf
E Einrücken/ Einsatz Abbruch Einrücken/ Einsatz Abbruch
C Melden zur Einsatzübernahme Melden zur Einsatzübernahme
F Melden über Telefon Melden über Telefon
H Wache anfahren Wache anfahren
J Sprechaufforderung nach Status 5 Sprechaufforderung nach Status 5
L Lagemeldung Lagemeldung
P Einsatz mit Polizei Nicht Belegt
U Unerlaubte Statusfolge Unerlaubte Statusfolge
c Status korrigieren Status korrigieren
d Transportziel durchgeben Nicht Belegt
h Zielklinik hat Kenntniss nicht Belegt
o Warten Warten
u Negativ Verstanden

Funkrufkennungen im BOS-Funk: Aufbau und Systematik

Jedes Fahrzeug der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) – dazu zählen unter anderem Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei – trägt eine eindeutige Funkrufkennzeichnung. Diese Kennung ist essenziell für die Identifikation im Funkverkehr und ermöglicht eine präzise Koordination während des Einsatzgeschehens.

Der klassische Aufbau (Dreiteiliges System)

In den meisten Bundesländern ist die Funkrufkennung nach einem logischen, dreiteiligen Schema aufgebaut (z. B. 1/83/1). Jede Zahlengruppe liefert dabei spezifische Informationen:

1. Der Standort (Die Wache)

Die erste Zahl bezeichnet die Wache oder den Standort innerhalb eines Leitstellenbereichs. Dies hilft der Leitstelle, das Fahrzeug geografisch einzuordnen und die zuständige Basisstation zu identifizieren.

2. Die Fahrzeugart

Die mittlere Zahl gibt an, um welchen Fahrzeugtyp es sich handelt. In Deutschland sind diese Kennzahlen weitgehend standardisiert:

  • 83: Rettungswagen (RTW)

  • 85: Krankentransportwagen (KTW)

  • 46: Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF)

  • 11: Einsatzleitwagen (ELW)

3. Das eigentliche Fahrzeug (Ordnungsnummer)

Die letzte Zahl dient der Unterscheidung baugleicher Fahrzeuge an einem Standort. Wenn eine Wache beispielsweise drei Rettungswagen besitzt, werden diese als 1, 2 und 3 nummeriert, um Verwechslungen im Funk auszuschließen.


Besonderheit: Das System in Hamburg

In der Freien und Hansestadt Hamburg wird ein abweichendes Modell genutzt, das sich am modernen OPTA-Schema (Operativ-Taktische Adresse) orientiert. Anstatt einer rein numerischen Abfolge werden hier Zahlen und Buchstaben kombiniert, was die Kommunikation intuitiver macht.

Ein typisches Beispiel in Hamburg: „Florian Hamburg 12-RTW-A“

  • Ortskennung (z. B. 12): Die Kennzahl der Feuer- und Rettungswache (hier: Altona).

  • Fahrzeugtyp (z. B. RTW): Anstatt einer Kennzahl wie „83“ wird die taktische Bezeichnung des Fahrzeugs direkt genannt.

  • Unterscheidungsmerkmal (z. B. A, B, C): Zur Unterscheidung mehrerer Fahrzeuge desselben Typs werden Buchstaben verwendet. Das „A“ steht dabei für das erste Fahrzeug dieser Art an der Wache.

Warum gibt es diese Unterschiede?

Während das klassische Zahlensystem historisch aus dem Analogfunk gewachsen ist, bietet das Hamburger System den Vorteil, dass Einsatzkräfte sofort am Namen erkennen, welche Ressource sie vor sich haben, ohne Kennzahlen im Kopf übersetzen zu müssen. Dies erhöht die Sicherheit und Schnelligkeit in Stresssituationen.