Rettungsgeräte – Einsatz und Anwendung in der technischen Hilfeleistung
Die technische Rettung erfordert eine Vielzahl an speziellen Geräten – von kleinen Werkzeugen wie einem Federkörner bis hin zu schweren hydraulischen Rettungsgeräten. Im Folgenden werden einige wesentliche Rettungsgeräte und ihre Einsatzbereiche erklärt.
Federkörner
Der Federkörner wird von der Feuerwehr verwendet, um Autoscheiben (Seiten- und Heckscheiben) schnell und gezielt zu zerstören. Durch einen Federmechanismus wird ein punktueller Schlag auf das Glas ausgeübt, wodurch es in kleine, stumpfe Stücke zerfällt. So kann zügig eine Öffnung zum Patienten geschaffen werden.
Wichtig: Frontscheiben moderner Fahrzeuge bestehen aus Verbundsicherheitsglas und lassen sich mit einem Federkörner nicht zerstören.
Glassäge
Die Glassäge dient zum Entfernen der Frontscheibe von Fahrzeugen. Da diese aus Verbundsicherheitsglas mit einer Kunststofffolie in der Mitte besteht, kann sie nicht einfach eingeschlagen werden.
Vorgehensweise:
- Die Scheibe wird mit einem Federkörner vorgeschwächt (Einschlagen der äußeren Glasschicht).
- Anschließend wird sie mit der Glassäge entlang des Rahmens herausgeschnitten.
Diese Technik ermöglicht eine patientenschonende Rettung, da keine scharfkantigen Glasreste verbleiben.
Schere und Spreizer (hydraulische Rettungsgeräte)
Die hydraulische Rettungsschere und der hydraulische Spreizer sind essenzielle Werkzeuge der Feuerwehr bei Verkehrsunfällen.
- Rettungsschere: Wird genutzt, um Metallstrukturen wie Fahrzeugtüren, Dächer oder Säulen präzise zu durchtrennen.
- Spreizer: Wird eingesetzt, um eingeklemmte Türen oder verformte Fahrzeugstrukturen auseinanderzudrücken, um Platz für die Rettung des Patienten zu schaffen.
Diese Geräte arbeiten mit hydraulischem Druck und sind in der Lage, extrem hohe Kräfte aufzubringen.
Rettungskorsett (KED – Kendrick Extrication Device)
Das Rettungskorsett (KED) wird bei Patienten mit Verdacht auf Wirbelsäulenverletzungen angewendet, insbesondere wenn sie sich noch in sitzender Position befinden (z. B. nach einem Autounfall).
Einsatz:
- Stabilisiert die Hals- und Brustwirbelsäule.
- Erlaubt eine schonende Rettung aus einem Fahrzeug.
- Wird häufig in Kombination mit einer Halskrause (Stiffneck) verwendet.
Einschränkung:
Das korrekte Anlegen des KED dauert für geübte Einsatzkräfte 10–15 Minuten. Daher ist es nicht für eine Crashrettung (schnelle Rettung aus einer lebensbedrohlichen Situation) geeignet.
Schleifkorbtrage
Die Schleifkorbtrage ist eine robuste Metall- oder Kunststofftrage, die bei Rettungen aus schwierigem Gelände oder aus großen Höhen eingesetzt wird.
Vorteile:
- Der Patient kann festgeschnallt werden und ist somit auch bei vertikalen Rettungen gesichert.
- Hohe Seitenteile bieten zusätzlichen Schutz.
- Eignet sich für den Einsatz mit Seilwinden oder Hubschraubern.
Spineboard
Das Spineboard ist eine leichte Kunststofftrage, die vor allem zur Immobilisation (Ruhigstellung) von Patienten mit Rücken- oder Wirbelsäulenverletzungen dient.
Besondere Eigenschaften:
- Aufgrund des Materials schwimmfähig → wird daher auch für die Eisrettung verwendet.
- Ermöglicht eine schnelle Rettung im Vergleich zum KED, weshalb es in manchen Fällen auch zur Befreiung von Patienten aus Fahrzeugen genutzt wird.
- Kann mit Gurtsystemen und Kopffixierungen ergänzt werden, um eine maximale Stabilisierung zu gewährleisten.