Rettungsgeräte – Einsatz und Anwendung in der technischen Hilfeleistung

Die technische Rettung erfordert eine Vielzahl an speziellen Geräten – vom kleinen Handwerkzeug bis hin zur tonnenschweren Hydraulik. Im Folgenden werden die wichtigsten Werkzeuge und ihre Einsatzbereiche bei der Feuerwehr anschaulich erklärt.


Glasmanagement: Schneller Zugang zum Patienten

Federkörner

Wird verwendet, um Seiten- und Heckscheiben aus Einscheibensicherheitsglas (ESG) gezielt zu zerstören. Ein Federmechanismus übt einen punktuellen Schlag aus, wodurch das Glas sofort in kleine, stumpfe Krümel zerfällt.

Wichtig: Frontscheiben bestehen aus Verbundsicherheitsglas (VSG) und lassen sich mit einem Federkörner nicht zerstören!

Glassäge

Dient speziell zum patientenschonenden Entfernen der Frontscheibe. Da diese durch eine eingearbeitete Kunststofffolie zusammengehalten wird, muss sie mühsam aus dem Rahmen geschnitten werden.

Vorgehen: Die äußere Glasschicht wird erst mit dem Federkörner vorgeschwächt, dann kommt die Glassäge zum Einsatz, um scharfkantige Splitter zu vermeiden.

Schwere Rettung: Hydraulischer Rettungssatz

Die hydraulische Rettungsschere und der Spreizer sind die essenziellen Werkzeuge bei schweren Verkehrsunfällen. Sie arbeiten mit enormem hydraulischem Druck und können extreme Kräfte entfalten, um modernste Karosseriestrukturen zu bewältigen.

  • Rettungsschere: Durchtrennt Karosserieteile wie A-, B- oder C-Säulen, Fahrzeugdächer und dicke Scharniere präzise und funkenfrei.
  • Spreizer: Drückt verformte Strukturen auseinander (z. B. eingeklemmte Türen) oder quetscht Materialien zusammen, um rettungsöffnungen für den Patienten zu schaffen.

Patientenrettung & Immobilisation

Je nach Verletzungsmuster, Situation und Einsatzort kommen unterschiedliche Trage- und Stabilisierungssysteme zum Einsatz:

Rettungskorsett (KED)

Das Kendrick Extrication Device stabilisiert die Hals- und Brustwirbelsäule von sitzenden Patienten. Es ermöglicht eine extrem schonende Rettung aus dem Fahrzeug (meist in Kombination mit einem Stiffneck).

Einschränkung: Das korrekte Anlegen dauert 10–15 Minuten. Bei lebensbedrohlichen Zuständen (Crashrettung) wird darauf verzichtet.

Spineboard

Eine leichte, extrem flache Kunststofftrage zur kompletten Immobilisation von Patienten mit Rücken- oder Wirbelsäulenverletzungen.

  • Dank Kopffixierung und Gurtsystem extrem stabil.
  • Deutlich schneller anwendbar als das KED.
  • Besonderheit: Schwimmfähig! Wird auch bei der Eis- und Wasserrettung eingesetzt.

Schleifkorbtrage

Eine wannenartige, hochbelastbare Trage aus Metall oder Kunststoff, konzipiert für Rettungen aus unwegsamem Gelände, Schächten oder großen Höhen.

  • Hohe Seitenteile bieten maximalen Schutz vor Stößen.
  • Der Patient wird fest fixiert.
  • Ideal für den Einsatz mit Seilwinden, Drehleitern oder Hubschraubern.